Powerchair Hockey – Eine rasante Rollstuhlsportart

Powerchair Hockey – Eine rasante Rollstuhlsportart
Viele Menschen sehen in einem Rollstuhl ein zweckmäßiges Fortbewegungsmittel und können sich nicht vorstellen, dass man darin Sport treiben kann. Ein Elektro-Rollstuhl ist im Vergleich zu einem Aktivrollstuhl noch viel größer und schwerer. Dieser wird meist von körperlich schwerstbehinderten Menschen benutzt, die oftmals nicht mehr in der Lage sind Arme oder Kopf zu bewegen. Und diese Menschen sollen Sport treiben? Sogar Leistungssport? Nein? Dann haben sie sicher noch nie von Powerchair Hockey gehört!
Powerchair (engl. für Elektro-Rollstuhl) Hockey ist eine rasante Hockeyvariante, die in der Halle gespielt wird. Die Sportlerinnen und Sportler flitzen mit einer Geschwindigkeit von bis zu 15 km/h über das 26m x 16m große Feld, welches von einer Bande umrundet ist und versuchen dabei einen gelochten Plastikball in das 2,5m breite, aber nur 20cm hohe Tor zu befördern. Auf dem Spielfeld duellieren sich zwei Mannschaften, die aus vier Feldspielern, einem Torhüter und fünf Auswechselspielern bestehen. Ein Spiel dauert zweimal 20 Minuten.
Das Besondere am Powerchair Hockey ist, dass Alter, Geschlecht oder die Art der Behinderung keine Rolle spielen – alle spielen zusammen! Spieler, die aufgrund der Schwere ihrer Behinderung keinen Schläger mehr in der Hand führen können, bekommen einen sogenannten T-Stick an den Rollstuhl montiert. Zumindest der Torhüter und ein weiterer Feldspieler müssen mit so einem Schläger spielen. Damit die Mannschaften, trotz der verschiedenen Behinderungsbilder, vergleichbar stark sind, gibt es ein Klassifizierungssystem. Ärzte und Physiotherapeuten untersuchen die Spieler, welche physischen Möglichkeiten sie haben und kategorisieren sie. Ein körperlich sehr schwacher Spieler bekommt zum Beispiel einen Punkt, ein körperlich sehr starker Spieler erhält vier Punkte. Ein Team mit fünf Spielern darf maximal 11 Klassifizierungspunkte auf dem Feld haben, sonst wird diese disqualifiziert.
Bereits in den 70er Jahren gab es die ersten Powerchair Hockey Spieler in den Niederlanden. In den 80ern hat sich der Sport dann auch in Deutschland verbreitet und die ersten Turniere wurden organisiert. Mit der Zeit entwickelte sich das Regelwerk, was die Sportart weiter vorantrieb. Insbesondere der technische Fortschritt der Elektro-Rollstühle hat das Spiel auf ein neues Niveau gehoben. Die neuen E-Rollstühle sind nun reine Sportgeräte, die speziell für das Powerchair Hockey entwickelt wurden. Sie sind extrem leistungsfähig, wendig und schnell – doch leider haben diese auch ihren Preis. Je nach behinderungsbedingten Anpassungen können diese schnell zwischen 10.000 und 25.000 Euro kosten. Da die Krankenkassen hier nicht bei der Anschaffung unterstützend helfen, sind die Spieler und Vereine auf Spenden angewiesen.
Aktuell gibt es in Deutschland einen 3-klassigen Spielbetrieb mit 16 Mannschaften und in der Schweiz zwei Ligen mit 11 Mannschaften. Leider existiert in Österreich bislang nur ein Team. Generell ist
Powerchair Hockey in Europa sehr stark verbreitet, doch auch auf anderen Kontinenten wächst die Gemeinschaft stetig. In diesem Jahr findet die 4. Weltmeisterschaft in Italien statt, bei der die Niederlande Titelverteidiger ist.
Nun haben Sie einen ersten Eindruck von dieser wundervollen Sportart bekommen. Ich hoffe, ihr Interesse geweckt zu haben. Tauchen sie mit mir in den kommenden Wochen und Monaten immer mal wieder in die spannende Welt des Powerchair Hockeys hinab. Lernen Sie Teams und Protagonisten kennen. Es erwarten Sie viele spannende Hintergrundberichte.
Mit den besten Grüßen
Jörg Diehl
Bildnachweise
Alle Fotos mit freundlicher Genehmigung von ewh2014.com