Durch Heidelberg im Rollstuhl

 

 

 

Durch Heidelberg im Rollstuhl

 

Ich hab´ mein Herz in Heidelberg verloren“, so lautet der Titel eines deutschen Filmklassikers. Die kleine Studentenstadt im Norden Baden-Württembergs gilt für viele Menschen als eine der schönsten Städte Deutschlands. Direkt am Neckar und zwischen Bergen gelegen, bietet sie eine traumhafte Kulisse für einen Ausflug. Natürlich lockt dies entsprechend viele Touristen an, die z.B. das berühmte Heidelberger Schloss oder die Alte Brücke entdecken möchten. Doch ob Heidelbergs Attraktionen auch für Rollstuhlfahrer zugänglich sind, wollte ich herausfinden…

 

Mit dem Zug machte ich mich also auf nach Heidelberg. Wie an fast allen größeren Bahnhöfen stellte das Aussteigen mit dem Rollstuhl kein Problem dar und auch die Busse, welche ins Stadtzentrum fuhren, waren durchweg mit einer Hebebühne oder Rampe ausgestattet. Bis zum Bismarckplatz, einem der zentralen Punkte, sind es nur fünf Minuten Fahrtzeit. Man kann die Strecke auch mit dem Rollstuhl zurücklegen, aber da es nicht wirklich etwas Sehenswertes gibt, lohnt es sich den Bus zu nehmen. Der Platz ist nicht wirklich schön, aber dort beginnt auf der gegenüberliegenden Seite die Hauptstraße, welche im Übrigen mit 1,8 km die längste Einkaufsstraße Deutschlands ist. Schnell wird einem bewusst, dass Heidelberg eine alte Stadt ist. Viele Gebäude sind zwar restauriert und sehen toll aus, doch oft befindet sich eine große Stufe vor dem Eingang. Ohne eine mobile Rampe ist hier für einen Elektro-Rollstuhlfahrer Schluss. Da ich aber nicht nur zum Shoppen da war, machte ich mich auf zur Heiliggeistkirche Richtung Altstadt. Je näher ich dieser kam, desto mehr Touristen drängten sich durch die Straßen.

 

Die Kirche selbst ist barrierefrei zugänglich und der benachbarte Marktplatz lädt mit seinen vielen Cafés zum Relaxen ein. Auch das berüchtigte und bei allen Rollstuhlfahrern unbeliebte Kopfsteinpflaster ist bis zu dieser Stelle noch kein allzu großes Problem. Nach einer kurzen Erfrischung ging es weiter über den Kornmarkt zur unteren Bergbahn Haltestelle. Die Heidelberger Bergbahnen zählen zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Mit der unteren Bergbahn, welche relativ modern ist, kann man bequem das Schloss erreichen. Allerdings befindet sich eine kleinere Lücke zwischen dem Bahnsteig und der Seilbahn, so dass unter Umständen für das Einsteigen eine helfende Hand von Nöten sein kann. Die Fahrt ist für Besitzer einer Wertmarke kostenfrei nutzbar.

 

Am Schloss angekommen, lässt sich der Schlosspark bequem und ohne Hindernisse erkunden. Einen besonders tollen Blick auf die Schlossruine hat man von der Scheffelterrasse aus. Von dieser kann man auch die uneingeschränkte Sicht ins Neckartal, auf die Alte Brücke und die Innenstadt genießen. Auch das Schloss selbst kann man als Rollstuhlfahrer besichtigen, der ermäßigte Eintrittspreis beträgt 4 Euro. Eine Führung wird allerdings nicht empfohlen, da man an dieser im Rollstuhl nur sehr eingeschränkt teilnehmen kann. Wer sich für eine Besichtigung entscheidet, sollte sich aber mit dem Gedanken anfreunden, über sehr unwegsames Kopfsteinpflaster fahren zu müssen.

 

Leider lässt sich der Königsstuhl als Rollstuhlfahrer nicht mit der oberen Bergbahn erreichen, da diese nicht barrierefrei zugänglich ist. Wer dennoch nicht auf den atemberaubenden Ausblick des 567,8 Meter hohen Bergs verzichten möchte, kann auch mit dem Stadtbus die serpentinenreiche Strecke zurücklegen.

 

Das zweite berühmte Wahrzeichen der Stadt ist die Alte Brücke. Also ging es nun zurück in die Altstadt, um zu prüfen, ob man als Rollstuhlfahrer diese befahren kann. Auf der Rückseite der Heiliggeistkirche führt die Steingasse direkt zur Brücke. Wer die Alte Brücke befahren möchte, sollte sich auf eine heftige Kopfsteinpflasterfahrt einstellen. Hat man es aber erstmal bis zum Brückentor geschafft, kann man die Brücke auf den Gehwegen relativ bequem überqueren. Lediglich eine nicht allzu hohe Bordsteinkante ist hier zu überwinden. Ob sich ein Besuch wirklich lohnt, muss jeder selbst beurteilen, aber der malerische Ausblick direkt über dem Neckar hat schon etwas Besonderes!

 

Leider neigte sich der Tag dem Ende entgegen. Für den Rückweg wählte ich eine gemütliche Spazierfahrt am Neckar entlang mit einem herrlichen Blick auf den gegenüberliegenden Philosophenweg, auf dem schon einige der berühmtesten Dichter der deutschen Geschichte wanderten. Die Zeit reichte nicht mehr für einen Besuch des 2km langen Weges, aber vielleicht klappt es ja beim nächsten Mal.

 

Ganz sicher möchte ich dann auch eine Bootstour auf dem Neckar machen. Die Anlegestellen liegen direkt gegenüber der Heidelberger Stadthalle. Ein etwas steiler Kopfsteinpflasterweg führt direkt zu den Anlegestellen. Laut dem Anbieter der Touren sind alle Schiffe mit dem Rollstuhl zugänglich, doch nicht jedes Boot habe eine Rollstuhltoilette an Bord. Das Flaggschiff „Königin Silvia“ sei aber perfekt für die Bedürfnisse von Rollstuhlfahrern ausgestattet, so die Aussage.

 

Ob dies wirklich so ist, werde ich jedenfalls persönlich bei meinem nächsten Besuch überprüfen.

 

Mit den besten Grüßen

 

Jörg Diehl