Städtereise Wien Teil 1

Städtereise Wien – Impressionen zwischen Adel und Moderne – Teil 1
Denkt man an Österreich, fallen vermutlich häufig Begriffe wie Berge, Natur pur oder Skifahren. Doch mit Wien hat die Alpenrepublik auch eine Weltstadt zu bieten, welche aufgrund seiner Historie und den unzähligen Sehenswürdigkeiten jedes Jahr Besucher aus aller Herren Länder anlockt. Zudem wurde unweit von Wien auch No Handicap geboren. Doch lohnt sich für Rollstuhlfahrer denn ein Besuch in der österreichischen Hauptstadt? Meine Neugierde war groß und so beschloss ich es selbst herauszufinden…
Mit dem Zug verlief die gut 9-stündige Anreise ohne besondere Zwischenfälle. Bereits im Vorfeld hatte ich mir über das Hotelportal booking.com im Hotel Zeitgeist  ein barrierefreies Zimmer gebucht.

 

In nur wenigen Gehminuten vom Hauptbahnhof entfernt gelegen, bot dieses den idealen Ausgangspunkt für die geplanten Ausflüge. Auch das Zimmer selbst war für Rollstuhlfahrer nahezu perfekt geeignet. Das großzügig geschnittene Zimmer verfügte über genügend Platz, um sich bewegen zu können und auch das Badezimmer ließ keine Wünsche offen. Einzig das Bett war für meinen Geschmack ein wenig zu tief. Benutzer eines Lifters hätten Probleme ihn unter das Bett zu schieben. Das reichhaltige und qualitativ sehr gute Frühstücksbuffet rundeten den positiven Gesamteindruck ab und auch das Preis/Leistungsverhältnis stimmte.
Da mir nur gut drei Tage Zeit blieben, die Metropole mit ihren knapp 1,8 Millionen Einwohnern zu erkunden, galt es keine Zeit zu vergeuden. Vom Hauptbahnhof aus machte ich mich auf den Weg zum Wiener Prater, dem weltberühmten Vergnügungspark im 2. Gemeindebezirk. Mit der U-Bahnlinie U1 ging es direkt zur Haltestelle Praterstern. Obwohl die U-Bahnen optisch nicht sehr modern erschienen, konnte man die Wagen, an den mit einem Rollstuhlsymbol gekennzeichneten Türen, ohne große Hindernisse befahren. Hier empfehle ich stets die Türen ganz vorne oder am hinteren Teil der Bahn zu benutzen. Denn dort wird sogar automatisch eine kleine Rampe ausgeklappt, so dass das Ein- und Aussteigen zusätzlich erleichtert wird. Die Fahrt selbst dauerte nur wenige Haltestellen, verlief aber doch sehr unruhig. Das Schienensystem ist offensichtlich nicht das Beste, so dass sogar Fußgänger sich gut festhalten mussten, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. An der Haltestelle angekommen, befindet sich der Vergnügungspark, welcher eigentlich Wurstelprater heißt, nur gut fünf Gehminuten entfernt.
Gleich am Eingang steht auf der rechten Seite mit dem Wiener Riesenrad und seinen roten Gondeln eines der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt. Natürlich wollte ich mir eine Fahrt mit dem 1897 eröffneten Riesenrad nicht entgehen lassen. Zu meiner Freude gab es einen rollstuhlgerechten Waggon, welcher relativ problemlos befahren werden konnte. Rund 15 Minuten dauerte die Fahrt, bei der man auf 65 Meter Höhe eine tolle Aussicht auf die Stadt genießen konnte. Ob einem fünf Euro für die Fahrt wert sind, muss jeder selbst beurteilen, aber das man als Rollstuhlfahrer überhaupt ein solch historisches Riesenrad nutzen kann, finde ich klasse. Weiter ging es über das Gelände mit seinen unzähligen Fahrgeschäften und Fressbuden. Da das Gelände sehr flach und auch der Boden überwiegend betoniert ist, lässt sich der Prater wunderbar mit dem Rollstuhl erkunden. Positiv empfand ich auch die allgemeine Preisgestaltung vor Ort. Häufig werden bei Touristenmagneten unverschämte Preise aufgerufen, um den Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen, doch der Prater zeigt, dass es auch anders möglich ist!
Nach einer ausgiebigen Runde über das Vergnügungsareal wollte ich nun die Donauinsel besuchen. Mit der U-Bahnlinie U1 wären es nur zwei Stationen gewesen, doch bei herrlichstem Wetter beschloss ich die Fahrt im Rollstuhl zu wagen. Über den Venediger-Au-Park ging es die Lassallestraße runter Richtung Donau. Der Weg war wenig spektakulär, aber sämtliche Bordsteinkanten abgeflacht, so dass es keine Barrieren zu überwinden galt. An der Reichsbrücke angekommen, hatte man eine herrliche Sicht auf die Donau und die wunderschöne Franz von Assisi Kirche. Insgesamt dauerte die Fahrt vom Prater zur Donauinsel etwa 20 Minuten. Die über 20km lange und 250m breite künstlich angelegte Insel dient u.a. als Naherholungsgebiet und beherbergt mit dem jährlich stattfindenden Donauinselfest das größte Musikfestival der Welt. Gemütlich schlenderte ich über die Insel, welche parkartig angelegt ist und von Rollstuhlfahrern bestens befahren werden kann. Restaurants, Cafés und Bars laden zum Verweilen am Ufer ein.
Über die Ponte Cagrana, einer flachen Holzbrücke direkt auf der Donau gelegen, ging es nun rüber auf die andere Seite der Stadt, wo im 22. Gemeindebezirk der Donaupark auf eine Erkundung wartete. Der öffentliche Park, dessen Wege auch teilweise mit Schottersteinen bedeckt sind, bietet riesige Grünflächen, auf denen sich Familien und Freunde zum Picknicken treffen oder sportlichen Aktivitäten nachgehen können. Zudem locken zahlreiche Skulpturen und Denkmäler, das Papstkreuz, die Donauparkbahn oder das koreanische Kulturhaus Besucher an. Das Highlight ist aber sicherlich der 252m hohe Donauturm, das höchste Gebäude Österreichs. Da mir Höhenangst fremd ist, wollte ich gerne die 150m gelegene Aussichtsplattform besuchen. Am Turm angekommen erfuhr ich, dass Rollstuhlfahrer keinen Eintritt zahlen müssen, für die Begleitperson wurden allerdings zehn Euro fällig. Oben angekommen wurde mir dann aber auch schnell klar, warum ich kostenlos hoch durfte. Auf Rollstuhlsichthöhe befand sich eine graue Betonmauer, über die sich nur schwer darüber schauen ließ. Dank meines eingebauten Sitzliftes konnte ich dann doch den Ausblick genießen, aber die meisten Rollstuhlfahrer hätten vermutlich nicht viel gesehen. Es gibt zwar eine kleine Rampe an einer Stelle, aber hier könnte man sicher eine bessere Lösung für Rollstuhlfahrer finden. Auch das Restaurant im Inneren des Turms ist leider nicht barrierefrei erreichbar.
Da ein Unwetter aufzog und der Tag sich sowieso schon langsam dem Ende entgegen neigte, beschloss ich den Rückweg zum Hotel anzutreten. Da man aber nicht hungrig ins Bett gehen sollte, habe ich noch eine Restaurantempfehlung in der Nähe des Hauptbahnhofs. Die Urban Lounge bietet eine vielfältige Speisekarte in einer angenehmen, modernen Umgebung. Das Restaurant ist barrierefrei zugänglich und die Qualität der Speisen sehr gut.
Erfahren Sie nächste Woche im zweiten Teil meines Reiseberichts, warum Wien für jeden Rollstuhlfahrer eine Reise wert ist und, wo es das beste Wiener Schnitzel der Stadt gibt…
Mit den besten Grüßen
Jörg Diehl

 

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