Städtereise Wien Teil 2

 

Städtereise Wien – Impressionen zwischen Adel und Moderne – Teil 2

 

 

 

 

 

 

 

Am zweiten Tag meiner Wien Reise wollte ich den 1. Gemeindebezirk, die Innere Stadt, mit seinen historischen Gebäuden erkunden. Per U-Bahnlinie U1 ging es vom Hauptbahnhof aus in nur drei Stationen zur Haltestelle Karlsplatz. Dort angekommen strahlte mir schon die Wiener Staatsoper entgegen, welche im Jahr 1869 mit einem Konzert von Mozart eröffnet wurde. Aus Zeitgründen verzichtete ich auf eine Besichtigung des Inneren, doch ließ ich mir sagen, dass das weltberühmte Opernhaus über insgesamt 22 Rollstuhlplätze verfüge.

 

 

 

Weiter ging es über den Opernring Richtung Burggarten. Der Burggarten selbst ist ein relativ kleiner Park, in dem sich mit der Neuen Burg und dem Schmetterlingshaus zwei weitere Attraktionen befinden. Die Albertina, ein bedeutendes Kunstmuseum, liegt direkt hinter dem Park. Da ich mich nun aber als Kunstbanause outen muss, zog ich es vor Richtung Heldenplatz weiterzuziehen. Durch das äußere Burgtor kommend, sieht man die Rückseite der Hofburg, dem Regierungssitz des österreichischen Bundespräsidenten. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindet sich der Marie-Theresien-Platz, welcher von den beiden größten Museumsbauten der Stadt eingerahmt wird. In der Mitte des Platzes steht mit dem Maria-Theresien-Denkmal das größte Habsburgermonument Wiens. Generell befinden sich in dieser Gegend unzählige Museen, doch bei schönstem Wetter wollte ich lieber an der frischen Luft die Innenstadt kennenlernen.

 

 

 

Weiter ging es in den Volksgarten, direkt neben dem Heldenplatz. Ein paar Denkmäler, Brunnen und der Theseustempel schmücken den öffentlichen Park, der seine Besucher auf eine Verschnaufpause einlädt. Nach einem kurzen Sonnenbad ging es weiter zum Parlamentsgebäude auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Leider wurde zu diesem Zeitpunkt die Fassade des Gebäudes saniert, so dass mir die wunderschöne, im antiken griechischen Stil gebaute Front verborgen blieb. Aber mit dem Rathaus wartete schon das nächste tolle Gebäude, welches im neogotischen Baustil erbaut wurde, nur vier Gehminuten entfernt. Mit ein bisschen mehr Zeit wäre es sicherlich interessant gewesen, sich die Gebäude auch von Innen anzuschauen. Da ich mich aber auf einen Kaffee mit No Handicap Gründer Michael Kernal im AIDA Café am Stephansplatz verabredet hatte, musste ich weiter. Im Schatten des Stephansdoms unterhielten wir uns angeregt über das Thema Barrierefreiheit und seine Motivation No Handicap gegründet zu haben.

 

 

 

Nach unserem Gespräch wollte ich mir ein weiteres Wahrzeichen der Stadt ansehen – den Stephansdom. Das gotische Bauwerk im Herzen der Innenstadt ist barrierefrei zugänglich, wenngleich natürlich eine Führung aufgrund der vielen Treppen im Inneren nicht möglich ist. Ich persönlich fand den Dom nicht so spannend, aber aufgrund seiner Bedeutung sollte man ihn als Tourist definitiv gesehen haben. Der geplante Besuch des Mozarthauses hinter dem Dom musste leider aufgrund baulichen Begebenheiten ausfallen. Und so endete ein erlebnisreicher zweiter Tag…

 

 

 

An meinem letzten Tag wollte ich unbedingt noch das Schloss Schönbrunn im 13. Gemeindebezirk anschauen. Der barocke Palast diente seit dem 17. Jahrhundert Kaisern und Kaiserinnen als feudale Residenz. Dank des barrierefreien U-Bahnnetzes in Wien, in dem an jeder Haltestelle ein Aufzug installiert ist, funktionierte die Anfahrt trotz Umsteigens gewohnt problemlos. Der Fußweg von der Haltestelle zum Schloss dauert etwa zehn Minuten. Das Schloss selbst ist dank Aufzügen „komplett“ barrierefrei zu besichtigen. Es werden verschiedene Touren angeboten, bei denen man unterschiedlichen Zugang zu den verschiedenen Räumlichkeiten hat. Ein Audioguide führt einen durch die einzelnen Räume und lässt einen in die Welt des damaligen Hoflebens eintauchen.

 

 

 

Aber auch im angeschlossenen Schlosspark gibt es einiges zu entdecken. Neben schön angelegten Blumenbeeten, warten auch verschiedene Skulpturen und Brunnen auf die Besucher. Besonders schön ist der Neptunbrunnen am Fuße des Hügels. Aufgrund der schotterartigen Beschaffenheit der

 

 

Wege ist es für Benutzer von Aktivrollstühlen vermutlich etwas mühsam sich in dem Park fortzubewegen. Während der vordere Teil des Parks noch ebenerdig verläuft, ist der Aufstieg des Hügels recht steil, aber für Elektro-Rollstuhlfahrer machbar. Diesen zu besichtigen lohnt sich in jedem Fall, denn oben angekommen wartet nicht nur die größte Gloriette, sondern auch ein pittoresker Blick über das Schloss und die Stadt. Über das Parkgelände fährt auch eine Panoramabahn, welche einen Rollstuhl im hinteren Zugwaggon transportieren kann. So haben auch nicht motorisierte Rollstuhlnutzer die Chance, die Gloriette aus nächster Nähe zu besichtigen. Die gepflegte Parkanlage kann kostenfrei besichtigt werden. Der Tiergarten Schönbrunn liegt ebenfalls im Park, befindet sich aber auf dem hügeligen Teil. Abgesehen davon, dass Tiere meiner Meinung nach nicht in den Zoo gehören, sollte man sich aufgrund der Topografie überlegen, ob man den Tierpark besichtigen möchte.

 

 

 

Nach so vielen kulturellen Eindrücken, wollte ich vor meiner Rückkehr noch unbedingt den berühmten kulinarischen Teil Wiens kennenlernen. Und wo könnte man das besser, als im berühmten Café Sacher. Also ging es mit der U-Bahn zurück in die Innere Stadt. Gegenüber der Wiener Staatsoper befindet sich das Traditionshaus, welches von außen und innen einen wunderbaren Charme versprüht. Das Café ist barrierefrei zugänglich, aber da ich lieber das schöne Wetter genießen wollte und keine Lust hatte mich in die Warteschlange zu stellen, wählte ich einen Platz im Außenbereich. Die originale Sacher Torte war ein Gedicht, aber mit 7,10 Euro für ein Stück Kuchen auch alles andere als günstig. Sicherlich bekommt man anderswo ein gleichwertiges Produkt zu einem günstigeren Preis, aber eben das Original verspeist zu haben, war ein tolles Gefühl.

 

 

 

Für alle Shopping Liebhaber beginnt an dieser Stelle das Paradies. Die Kärntner Straße lädt zum Flanieren und Einkaufen ein. Unzählige Kaufhäuser und Restaurants bieten, was das Herz begehrt. Wer es etwas exklusiver mag, läuft die Kärntner Straße runter bis zum Stephansplatz und biegt dann links in den Graben ab. Dort tummeln sich edelste Boutiquen der internationalen Designer, sicher nichts für den kleinen Geldbeutel. Generell gibt es in der Innenstadt viele ältere Gebäude, die eine oder mehrere Stufen am Eingang haben. Dennoch lohnt es sich immer mal wieder nachzufragen, ob es eine Rampe gibt. Manche Geschäfte haben durchaus schon das Potenzial eines solchen mobilen Helfers erkannt und können damit dienen.

 

 

 

Bevor es endgültig zurückging, musste ich noch unbedingt ein echtes Wiener Schnitzel probieren. Wo aber gibt es denn das beste Wiener Schnitzel? Oft wurde der Name Figlmüller von den befragten Wienern genannt, doch dieser ist leider nicht barrierefrei zugänglich. Also entschied ich mich für das Plachuttas Gasthaus zur Oper. Ob es das Beste ist, kann ich natürlich nicht sagen, da ich nur das Eine probiert habe. Aber was ich definitiv sagen kann, dass es das beste Schnitzel ist, welches ich je in meinem Leben gegessen habe. Unglaublich zart, saftig und lecker. Besser kann ich es mir nicht vorstellen und von daher absolut zu empfehlen, ohne Wenn und Aber!

 

 

 

Als ich am Hauptbahnhof ankam, blieb mir bis zu meiner Abfahrt noch ein bisschen Zeit. Da sich mit dem Schloss Belvedere noch eine weitere Sehenswürdigkeit in der Nähe befand, beschloss ich dieser noch einen kurzen Besuch abzustatten. Eigentlich sind es sogar zwei Schlösser, die durch eine Gartenanlage miteinander verbunden sind. Optisch gefiel mir Belvedere sogar besser, als Schönbrunn, wenngleich es viel kleiner ist. Einfach herrlich bei sonnigem Wetter noch ein paar Minuten im Park genießen zu können, bevor es wieder nach Hause ging.

 

 

 

Als Fazit kann ich jedem Rollstuhlfahrer eine Reise in die Metropole Wien definitiv empfehlen. Die Stadt bildet eine tolle Symbiose zwischen Tradition und Moderne. Die Gehwege sind in einem sehr guten Zustand, die Bordsteinkanten abgeflacht und der öffentliche Nahverkehr bis auf wenige Ausnahmen auf die Bedürfnisse von Rollstuhlfahrern angepasst. Für jegliche Interessen wird den Besuchern etwas geboten, aber machen Sie sich doch einfach selbst ein Bild von dieser wundervollen Stadt…

 

Mit den besten Grüßen

 

 

 

Jörg Diehl

 

 

 

 

 

 

 

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