Rollstuhlbasketball

 

Rollstuhlbasketball – Ballkünstler auf Rädern

 

Als ich im Kindesalter das erste Mal ein Basketballspiel des legendären Michael Jordan gesehen habe, war ich total fasziniert. Wahnsinn, wie hoch die Spieler springen oder den Ball aus einer riesigen Distanz in einen so hoch hängenden Korb werfen konnten. Da ich behinderungsbedingt wenig Kraft hatte, habe ich in meinem Kinderzimmer versucht Papierkugeln aus mehreren Metern in den Mülleimer zu werfen. Doch für körperlich fittere Rollstuhlfahrer ist es durchaus möglich Basketball zu spielen. Da ab dem 16. August die Weltmeisterschaft in Deutschland stattfindet, wollte ich die Gelegenheit nutzen und Ihnen die Sportart Rollstuhlbasketball einmal näher vorstellen.

 

Rollstuhlbasketball ist keine reine Behindertensportart, aber dennoch Disziplin der Paralympischen Sommerspiele. Neben Menschen mit körperlicher Behinderung, dürfen auch Nichtbehinderte mitspielen. Die Regeln sind an die des klassischen Basketballs angelehnt und in einigen Punkten an die Anforderungen des Rollstuhlgebrauchs angepasst. Gespielt wird auf einem üblichen Basketballfeld, auf diesem sich zwei Mannschaften mit je fünf Spielern in vier Vierteln á zehn Minuten gegenüber stehen. Wie im Fußgängerbasketball ist es das Ziel den Ball in den Korb zu werfen, wofür es je nach Abschlussort einen, zwei oder drei Punkte gibt. Für den Angriff bleiben den Teams nur 24 Sekunden Zeit, ansonsten erhält die gegnerische Mannschaft den Ballbesitz zugesprochen. Analog zum Schrittfehler darf beim Rollstuhlbasketball der Spieler nur zweimal am Greifring des Rads ziehen ohne den Ball zu drippeln, andernfalls wird ihm die Aktion als Schubfehler abgepfiffen. Außerdem ist es den Spieler nicht erlaubt, während des Spieles die Spielfläche mit seinen Füßen zu berühren. Basketball gilt eigentlich als kontaktloser Sport, doch im Rollstuhlbasketball ist nicht jeder Kontakt untersagt, jedoch darf nicht, wie beim Rollstuhlrugby etwa, zurückgehalten und nachgedrückt werden.

 

Der wichtigste Unterschied zu den Fußgängern ist die funktionale Klassifizierung, bei dieser die Spieler gemäß ihrer körperlichen Fähigkeiten eine Punktzahl zwischen 1,0 und 4,5 Punkten zugewiesen bekommen. Diese schafft einen Ausgleich zwischen Menschen mit unterschiedlich starken Behinderungen. Bei internationalen Turnieren darf die maximale Punktzahl von 14,0 aller sich auf dem Feld befindenden Spieler nicht überschritten werden. Im Übrigen spielen häufig Frauen und Männer in gemischten Teams zusammen, außer in der Nationalmannschaft. In diesen Mixmannschaften erhalten Frauen dann generell einen Punktabzug von 1,0 oder 1,5 Punkten.

 

Die Wurzeln des Rollstuhlbasketballs liegen in den Vereinigten Staaten von Amerika. Im Jahr 1946, nach dem Ende des 2. Weltkriegs, erfanden ehemalige Basketballspieler das Spiel, da sie trotz ihrer Kriegsverletzungen ihren Sport fortsetzen wollten. Mittlerweile wird dieser in schätzungsweise 80 Ländern von über 25.000 behinderten (und z. T. nichtbehinderten) Männern und Frauen gespielt. Der Sport ist seit 1960 bei den Herren im Programm der Paralympischen Sommerspiele vertreten. Acht Jahre später wurde Rollstuhlbasketball dann auch bei den Damen aufgenommen. Die erste offizielle Weltmeisterschaft der Herren fand im Jahr 1975 im belgischen Brügge statt, die der Damen 1990 im französischen St. Etienne. Zu den großen Nationen im Rollstuhlbasketball zählen die USA, Kanada und Australien. In Europa sind die Briten, Niederländer und Deutschen (insbesondere die Damen) besonders stark.

 

Für alle, die jetzt so richtig Lust bekommen haben sich mal der Faszination Rollstuhlbasketball auszusetzen, sollte die Chance nicht verpassen vom 16. bis 26. August 2018 nach Hamburg zu

 

kommen. Die Sportlerinnen und Sportlern aus 19 verschiedenen Nationen werden Sie ins Staunen versetzten, wenngleich Sie natürlich keine krachenden Slam Dunks erwarten können.

 

Mit den besten Grüßen

 

Jörg Diehl

 

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