Rollstuhlbasketball WM in Hamburg

 

Rollstuhlbasketball WM in Hamburg ein voller Erfolg

 

 

 

 

 

Egal, ob Fußgänger oder Rollstuhlfahrer, eine Weltmeisterschaft ist für jeden Sportler ein Highlight seiner Karriere. Über Monate bereitet man sich intensiv auf die Wettkämpfe vor und richtet seinen Fokus auf diesen Event. Auch das Interesse seitens der Zuschauer und Medien ist bei einer solchen Veranstaltung ungleich größer im Verhältnis zu der regulären Saison. Kürzlich fand die Weltmeisterschaft im Rollstuhlbasketball in Hamburg statt, welche in der Öffentlichkeit große Beachtung fand. Nicht alleine deswegen lohnt sich ein Blick zurück…

 

 

 

Die Veranstalter hatten sich große Mühe gegeben – riesige Banner in der ganzen Stadt sorgten für aufsehenerregende Werbung für das Turnier, welches vom 16. bis 26. August in der Hamburger Edel-optics.de Arena stattfand. Eröffnet wurde die Weltmeisterschaft mit einem bunten Rahmenprogramm, bei dem unter anderem die norwegische Pop-Band Madcon, ein Gebärdenchor und Breakdancer auftraten. Weltverbandspräsident Ulf Mehrens sprach einige Worte zur Eröffnung. Im Anschluss griff dann direkt das deutsche Herrenteam in den Wettbewerb ein. Traditionell gehörte Deutschland bei den Männern nicht zum Favoritenkreis, doch bei der Heim-WM wollte sich das Team um Bundestrainer Nicolai Zeltinger natürlich von seiner besten Seite zeigen. Dank eines souveränen 84:40 Sieg über Marokko ging es direkt mit einem perfekten Start los. Diesen Traumstart komplettierte das Damenteam, welches im abschließenden Abendspiel die Mannschaft aus Algerien mit 87:24 bezwang.

 

 

 

In der Herrenkonkurrenz gingen 16 Nationen in vier Gruppen an den Start, bei den Damen waren es 12 Nationen in zwei Gruppen. Nach dem tollen Auftakt lief es für die deutschen Herren dann plötzlich gar nicht mehr gut. Das zweite Gruppenspiel gegen den Iran ging knapp mit 63:67 verloren und auch gegen die starken Kanadier gab es eine deutliche 61:78 Niederlage. Als Dritter der Vorrunde musste Deutschland im Achtelfinale nun gegen die hochgehandelten Briten antreten. Nach einem schlechten Start kämpften sie sich im zweiten Viertel wieder zurück ins Spiel und gingen zeitweilen sogar in Führung. Die Sensation lag in der Luft, doch am Ende zogen die Briten abermals davon und zogen dank des 62:54 Sieges ins Viertelfinale ein. Den Deutschen blieb nur noch das undankbare Spiel um den 13. Platz gegen Südkorea, welches deutlich mit 72:56 gewonnen werden konnte. Sicher stellte die Platzierung ein unbefriedigendes Gesamtergebnis dar, doch worauf sich diese letztlich zurückführen lässt, ist schwierig zu beurteilen. Man darf bei der Bewertung sicher nicht außer Acht lassen, dass in vielen anderen Ländern Rollstuhlbasketballer Profis sind, während in Deutschland die meisten Spieler einem regulären Beruf nachgehen müssen.

 

 

 

Viel besser lief es für das deutsche Damenteam, die aber auch zu den Favoriten auf den WM-Sieg gehörten. Ohne Niederlage ging es für das Team von Bundestrainer Martin Otto durch die Vorrundengruppe B. Nach dem Auftaktsieg gegen Algerien feierte die Mannschaft überzeugende Siege gegen Argentinien (64:16), Frankreich (58:33), USA (70:56) und Mitfavorit China (58:42). Im Viertelfinale ging es gegen die Spanierinnen, doch diese waren nicht in der Lage das Offensivspiel der deutschen Frauen zu stoppen. Am Ende verließen die Deutschinnen mit einem 59:33 Erfolg das Parkett als Sieger. Im Halbfinale wartete mit Groß-Britannien dann ein deutlich anderes Kaliber. Gegen die stark aufspielenden Britinnen musste sich das Team Germany mit 37:60 fast chancenlos geschlagen geben. Insbesondere dem starken Pressingspiel der Damen aus dem Vereinigten Königreich hatte man nichts entgegenzusetzen. Enttäuscht durfte man nun „nur“ um die Bronze Medaille gegen China ran. Das Spiel entwickelte sich zu einem echten Thriller, bei dem es hin und her ging. Kurz vor dem Ende der Partie führten die Chinesinnen mit einem Punkt, doch die Star-Spielerin Mareike Miller bekam noch einmal zwei Freiwürfe zugesprochen. Sicher verwandelte sie diese unter dem Jubel der mit 1.500 Zuschauern ausverkauften Edel-optics.de Arena. Als der letzte Angriff der Chinesinnen fehlschlug verwandelte sich die Halle nun endgültig in ein Tollhaus und das Sommermärchen 2018 fand mit dem Gewinn der Bronze Medaille doch noch ein versöhnliches Ende. Am Ende stand ein knapper 44:43 Erfolg auf der Anzeigetafel.

 

 

 

Erstmals Weltmeister bei den Herren wurde das Team aus Groß-Britannien, die die leicht favorisierten US-Amerikaner überraschend deutlich mit 79:62 schlugen. Die Bronze Medaille ging an Australien, das im kleinen Finale mit 68:57 gegen den Iran die Oberhand behielt. Auch bei den Damen holten die Niederländerinnen erstmals den WM-Titel. Musste man sich in der Vorrunde den Britinnen noch knapp geschlagen geben, dominierte das Team in Orange im Finale und setzte sich dank eines überzeugenden 56:40 die Krone auf. Und so endete die „beste WM aller Zeiten“, so die Aussage des Weltverbandes. Auch die Veranstalter dürften angesichts der Zuschauerzahlen von über 60.000 Menschen in den elf Wettkampftagen absolut zufrieden sein. Über 10.000 Schülerinnen und Schüler besuchten die Veranstaltung und haben sicher einiges über Inklusion gelernt. Auch die ARD und das ZDF haben die Spiele teilweise übertragen. Für den Behindertensport in Deutschland ein weiterer Schritt in die richtige Richtung…!

 

 

 

Mit den besten Grüßen

 

 

 

Jörg Diehl