Speyer – Kleinstadt mit pfälzischem Charme

 

 

 

 

 

Speyer – Kleinstadt mit pfälzischem Charme

 

 

 

 

 

 

 

Haben Sie jemals von Speyer gehört? Die 50.000 Einwohner große Stadt, am schönen Oberrhein gelegen, ist eine der ältesten Städte Deutschlands. Kelten und Römer, Kriege und Revolutionen, Kaiser und Bischöfe – viele Einflüsse haben die Entwicklung der rheinland-pfälzischen Kleinstadt geprägt. Obwohl Speyer nur gut 20km von meinem zuhause entfernt liegt, war ich zuvor noch nie dort. Doch nachdem mir viele Bekannte immer wieder von ihren tollen Erlebnissen dort erzählt haben, wollte ich Speyer unbedingt kennenlernen.

 

 

 

Eine barrierefreie Anreise mit der Bahn ist definitiv möglich, doch bei gut 35 Grad Außentemperatur entschied ich mich lieber für das klimatisierte Auto. Auf dem direkt neben dem Dom liegenden Parkplatz befinden sich mehrere Behindertenparkplätze, die kostenfrei und ohne Zeitbeschränkung genutzt werden können. Der Kaiser- und Mariendom zu Speyer, wie der Dom offiziell heißt, ist nicht nur das Wahrzeichen der Stadt, sondern auch die größte erhaltene romanische Kirche der Welt. Einen Besuch sollte man sich also nicht entgehen lassen. Der Haupteingang ist nicht barrierefrei zugänglich, doch auf beiden Seiten gibt es einen Eingang für Rollstuhlfahrer. Besonders gelungen finde ich den Eingang auf der linken Seite, bei diesem sich die Türen durch die Benutzung des Euro-WC Schlüssels automatisch öffnen. Wie so häufig, gibt es in solch alten Gebäuden viele Stufen, wodurch sich der Besuch der Krypta nicht realisieren ließ. In Zukunft soll aber die Besichtigung Rollstuhlfahrern ermöglicht werden.

 

 

 

Das zweite große Highlight in Speyer ist zweifelsohne das Technik-Museum. Etwa zehn Minuten braucht man für die gut einen Kilometer lange Strecke, welche durch den Dompark führt. Der Weg ist leicht mit Kieselsteinen bedeckt, wodurch dieser für nicht-motorisierte Rollstuhlfahrer vielleicht etwas mühselig, aber machbar zu bewältigen ist. Allgemein ist die Topografie für Rollstuhlfahrer in Speyer sehr gut, es gibt wenige Steigungen in der Stadt. Schwerbehinderte erhalten einen vergünstigten Eintritt im Technik-Museum, die Begleitperson ist frei. In mehreren Hallen, aber auch auf einer gut 100.000 Quadratmeter großen Außenfläche befinden sich unzählige alte Fahr- und Flugzeuge, Schiffe und Weltraumexponate. Einige Gerätschaften lassen sich auch von innen erkunden, wie z.B. das größte in Serie gebaute propellergetriebene Flugzeug der Welt, die Antonow An-22, das U-Boot U 9 der Deutschen Marine, der russische Orbiter Buran und eine Boeing 747-200. Aufgrund der Bauweise funktioniert das Betreten dieser Attraktionen mit dem Rollstuhl zwar nicht, aber generell ist das Gelände barrierefrei und auch entsprechende Toiletten sind ausreichend vorhanden.

 

 

 

Auf dem Gelände befindet sich zudem ein IMAX Dome, in dem täglich verschiedene Dokus in 3D laufen. Das Kino ist auch für Rollstuhlfahrer zugänglich, doch aufgrund der Raumgegebenheiten müssen diese ganz vorne stehen, wodurch der Filmgenuss stark eingeschränkt ist.

 

 

 

Nach einigen kurzweiligen Stunden im Technik-Museum ging es dann zurück Richtung Innenstadt. Kurz vor dem Erreichen des Domplatzes strahlte mir das nächste interessante Museum auf der linken Straßenseite entgegen. Das Historische Museum der Pfalz besitzt fast eine Millionen Exponate, darunter u.a. die gut 1000 Jahre alte Kaiserkrone von Konrad II. Auch dieses Gebäude ist für Rollstuhlfahrer problemlos zu besuchen und bietet entsprechende Parkplätze und Toiletten an. Das Gleiche gilt für das Sealife-Center, welches am Rhein liegt.

 

 

 

Vom Domplatz aus ging es weiter auf die Maximilianstraße, welche sich als die Shoppingmeile Speyers fühlen darf. Zugegeben, die Straße sieht herrlich aus, die Gehwege sind gut für

 

 

Rollstuhlfahrer gepflastert und die Häuser zeigen sich in einem sehr gepflegten Zustand, doch Konsuminteressierte sollten nicht allzu hohe Erwartungen an die Einkaufsmöglichkeiten haben. Dafür bietet die Innenstadt aber eine Vielzahl von Cafés und Eisdielen, welche mir selten in dieser gefühlten Dichte begegnet ist. Am alten Marktplatz befindet sich die sogenannte „Alte Münze“. Das heutige Gebäude wurde 1784 als „Neues Kaufhaus am Markt“ am Platz der Münze errichtet. Von dort aus lohnt sich ein Abstecher in die Korngasse, in dieser sich weitere kleine Geschäfte befinden. Am Ende der Gasse steht man schließlich vor dem Altpörtel, welcher mit einer Höhe von 55 Metern eines der höchsten und bedeutendsten Stadttore Deutschlands ist. Leider ist dieser nicht barrierefrei zugänglich und so bleibt einem der tolle Ausblick über die Stadt verwehrt.

 

 

 

Der ereignisreiche Tag neigte sich so langsam dem Ende entgegen, doch ein Besuch der Pfalz ist ohne den Genuss eines heimischen Gerichts nur die Hälfte wert. Da die Temperaturen bei immer noch weit über 30 Grad lagen, sollte sich doch ein schöner Biergarten finden lassen. Letztlich kann ich aus kulinarischen Gesichtspunkten zwei empfehlen. Die Domhof Hausbrauerei am Dom und das Restaurant und Biergarten „Alter Hammer“, direkt am Rhein gelegen. Beide Locations bieten ein tolles Ambiente und auch die Qualität des Essens ist hervorragend. Allerdings sind die Häuser bei beiden Restaurants aufgrund mehrerer Stufen nicht zugänglich. Wer also unbedingt eine Toilette in nächster Umgebung benötigt, sollte vielleicht besser eine andere Alternative suchen.

 

 

 

Abschließend kann ich festhalten, dass Speyer zwar eine kleine Stadt ist, aber dennoch viel zu bieten hat. Auch Rollstuhlfahrer kommen hier auf ihre Kosten und können den Charme und die Herzlichkeit der Menschen kennenlernen. Die Bordsteine sind überwiegend gut abgeflacht und es stehen auch rollstuhlzugängliche öffentliche Toiletten an vielen Ecken bereit. Ich kann ein Besuch wärmstens empfehlen und verabschiede mich mit Goethes Worten: „Macht euch auf nach Speyer“.

 

 

 

Mit den besten Grüßen

 

 

 

Jörg Diehl